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Die Klasse 2i auf wilder Jagd durch Neuchâtel
Am 29. Mai reisten wir, die Klasse 2i, bei über 31 Grad nach Neuchâtel. Unser Auftrag: einen Mörder finden. Oder wenigstens einen schattigen Platz.
Am Morgen trafen wir den aufgewühlten Kriminalkommissar Hans Bärlach. Er hatte die Leiche seines Arbeitskollegen Ulrich Schmied in einem Auto am Strassenrand gefunden. Von ihm erfuhren wir, dass Schmied ein äusserst kompetenter Polizist gewesen war und tief in Ermittlungen gegen den Schwerverbrecher Gunter Gastmann steckte – klar der Hauptverdächtige in diesem Fall. Die Fallakten über Gastmann waren aus Schmieds Zimmer verschwunden und er hatte eine drohende E-Mail an Schmied geschickt... Aber wir haben erst kürzlich wieder einen Krimi gelesen und uns war deshalb klar: So einfach lässt sich kein Fall lösen.
Weitere Verdächtige waren Bruno Tschanz, Schmieds Kollege, und Isabelle Schönler, seine wenig begeisterte Vermieterin. Ein Blick in ein Rechenbüchlein und einige Partyfotos zeigte schnell, dass Schmied wohl doch nicht ganz so vorbildlich war, wie alle dachten: laute Feiern in fremden Weinkellern und monatelang unbezahlte Miete sprechen nicht unbedingt für einen Musterbürger.
Kommissar Bärlach verdächtigte in seiner Wut allerdings eher Tschanz, den er des Neides bezichtigte. Und siehe da: Aus dessen Hosentasche fiel ein verunstaltetes Bild von Schmied. Sehr verdächtig. Andererseits hatten inzwischen so viele Leute ein Motiv, dass ich persönlich langsam auch den Kommissar selbst auf die Liste setzte.
Die ganze Sache war ziemlich verstrickt, aber wir blieben dran. Unsere Ermittlungen führten uns durch das ganze Dürrenmatt-Museum, vorbei an einer skurrilen Miniversion der Sixtinischen Kapelle - die sich als Toilette entpuppte - alten Radios und mehr Treppen, als eigentlich in einem Kriminalfall vorkommen sollten. Von den hohen Wänden hingen schauderhafte, teils morbide-humorvolle Bilder und die von Dürrenmatt gemalten Fratzen sahen uns bei Schritt und Tritt zu wie wir durch die Galerie irrten.
Sogar einen Blick in das Arbeitszimmer des Autors und Malers Friedrich Dürrenmatt konnten wir werfen. Und man braucht wirklich kein Kriminalkommissar zu sein, um zu erraten, was sich darin befindet: Alle vier Wände waren bis unter die Decke mit Büchern gefüllt. Ein persönliches Highlight war ausserdem die Aussicht auf den See – und die angenehme Kühle des Raumes, die bei diesen Temperaturen ganz besonders geschätzt wurde.
Der von uns untersuchte Fall basiert auf Dürrenmatts Roman „Der Richter und sein Henker“. Um uns nicht zu spoilern, wollten die Museumsführerinnen uns aber nicht verraten, wer der Täter ist. Ich tippe allerdings auf Bruno Tschanz.
Nachdem wir über eine Stunde lang die Treppen des Museums hoch- und hinuntergerast waren, verabschiedeten wir uns von den sympathischen Museumsführerinnen und machten am wunderschönen See eine wohlverdiente Pause. Mittagessen, die Füsse ins Wasser strecken und natürlich ein Eis – bei der Hitze war das praktisch eine kriminaltechnische Notwendigkeit...
Danach stand es uns frei, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und unser Französischwissen unter Beweis zu stellen. Unterschiedlich erfolgreich. Das Hôtel de Ville* ist schon das Hotel, oder...? Glücklicherweise haben am Ende trotzdem alle wieder zurückgefunden.
Die letzte Herausforderung des Tages erwartete uns allerdings erst auf dem Rückweg zum Bahnhof: Ein langer Zaun und eine Baustelle versperrten unseren geplanten Weg zur Seilbahn - hatte der Täter vielleicht Komplizen? Statt einer eleganten Abkürzung mussten wir also erst ein gutes Stück zurücklaufen und einen Umweg in Kauf nehmen. Nach den unzähligen Museumstreppen war das zwar nicht gerade die Wendung, auf die wir gehofft hatten, aber immerhin kamen wir schliesslich noch rechtzeitig an.
Den Täter konnten wir schlussendlich zwar nicht finden, aber dafür einen spannenden Tag in Neuchâtel verbringen!
Text: Sofia Ringwald, 2i
Fotos: Salome Flühler
(*ein "Hôtel de ville" ist ein Rathaus)
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