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Die Stolpersteinsetzungen vom 7. Mai
Gedenkreden Klasse 5d
Am Donnerstag, 7. Mai 2026, wurden in Zürich durch den Verein Stolpersteine Schweiz sechs Stolpersteine gesetzt. Damit wurde an Menschen erinnert, denen während der Zeit des Nationalsozialismus grosses Unrecht widerfahren ist und die verfolgt, entrechtet und ermordet wurden.
An der Zeremonie nahmen neben Angehörigen auch die Stadtpräsidentin sowie viele weitere Menschen teil, denen das Erinnern an die Opfer ein wichtiges Anliegen ist.
Unsere Klasse 5d durfte bei diesem besonderen Anlass dabei sein. Im Unterricht bereiteten wir Gedenkreden vor, die wir anschliessend an der Stolpersteinsetzung hielten. Dabei setzten wir uns intensiv mit den Lebensgeschichten der Betroffenen auseinander.
Die Stolpersteine wurden für Madeleine Jeanne Lüthi, Rosa Sticki Makow und ihre drei Töchter sowie Margareta Gümpel gesetzt. Die kleinen goldenen Quadrate im Boden erinnern an ihr Leben und an das Schicksal vieler weiterer Opfer des Nationalsozialismus. So bleiben ihre Geschichten sichtbar und geraten nicht in Vergessenheit.
Die Stolpersteinsetzung zeigte uns, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen und an die Opfer zu erinnern. Hinter jedem Stolperstein steht ein Mensch mit einer Geschichte, die nicht vergessen werden darf.
Text: Helena Elfgen, Klasse 5d
Einige der Reden können im Anschluss hier gelesen werden:
Steinsetzung für Madeleine Jeanne Lüthi an der Kurvenstr. 31, 8006 Zürich
Liebe Anwesende
Vielen Dank, dass wir als Klasse des Realgymnasium Rämibühl hier sein dürfen, um einer Frau zu gedenken, deren Geschichte uns tief berührt und zugleich erschüttert hat: Madeleine Jeanne Lüthi.
Frau Lüthi ist viel mehr als nur ein Name auf einem Stolperstein. Sie war ein Mensch – eine Bürgerin der Schweiz –, mit einem schweren Schicksal. Frau Lüthi musste Leid und Schmerzen erfahren, die wir uns heute kaum vorstellen können. Sie wurde Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, zur Zwangsarbeit gezwungen und überlebte die Haft in einem Konzentrationslager. Dabei erlitt sie schwerste körperliche und seelische Verletzungen.
Besonders erschütternd ist, dass das Unrecht, das Frau Lüthi zugefügt wurde, nicht mit ihrer Befreiung endete. Der Staat zahlte ihr zwar eine Entschädigung für die furchtbare Zeit im Konzentrationslager, doch die zuständige Kommission entschied, ihre gesundheitlichen Schäden nicht anzuerkennen. Das führte dazu, dass ihr Leid nur unvollständig anerkannt wurde und sie nicht die Unterstützung erhielt, die sie verdient hätte.
Madeleine Lüthis Geschichte zeigt uns, wie schnell ein Leben durch Unrecht zerstört werden kann. Ihr Leid endete nicht mit der Befreiung, sondern setzte sich durch fehlende Anerkennung danach fort. Wir hätten uns gewünscht, dass der Staat seiner Verantwortung gegenüber Frau Lüthi gerecht geworden wäre und dass das Schicksal der damaligen Opfer nicht übersehen wird.
Der Stolperstein, der heute gesetzt wird, erinnert an Frau Lüthi. Doch er erinnert auch an die vielen anderen Menschen, denen der Schweizer Staat nach den Verbre-chen der Konzentrationslager nicht ausreichend Unterstützung und Anerkennung gewährte und deren Geschichten vergessen, verschwiegen oder ausgelöscht wur-den. Jeder einzelne dieser Stolpersteine fordert uns auf, nicht wegzusehen, sondern hinzuschauen, zu erinnern und Verantwortung zu übernehmen.
Wir hoffen, dass Menschen, die heute Unrecht erfahren, gesehen, ernstgenommen und gerecht behandelt werden.
Rede von Helena, Luis, Alvaro, Ladina, Jan
Steinsetzung für Rosa Sticki-Makow und Töchter an der Dufourstr. 70, 8008 Zürich
Liebe Anwesende,
Wir sind dankbar, heute hier sein zu dürfen und Teil dieses Anlasses zu sein. Ein Stolperstein ist klein, aber er fällt auf. Man bleibt stehen und liest die Namen: Rosa Sticki-Makow, Florentine, Marie und Mauricette. Eine Mutter und ihre drei Kinder. Sie hatten ein ganz normales Leben. Rosa wurde 1908 in der Schweiz geboren, wuchs in Winterthur und Zürich auf und gründete später in Frankreich ihre eigene Familie. Ihre Töchter – geboren 1929, 1934 und 1936 – waren noch Kinder und hat-ten ihre ganze Zukunft vor sich.
Und trotzdem wurde ihnen das Leben genommen. Es gab Momente, in denen Hilfe möglich gewesen wäre – Versuche, die Kinder in die Schweiz zu bringen –, doch sie scheiterten. Die politischen Bedingungen verschärften sich, Grenzen wurden geschlossen, und jüdische Kinder wurden von Hilfsaktionen ausgeschlossen. Am 13. April 1944 wurden Rosa und ihre drei Töchter nach Auschwitz deportiert und wenige Tage später ermordet.
Eine solche Geschichte zu lesen hat uns zutiefst berührt. Sie scheint weit weg und ist doch ganz nah: Sie betrifft Menschen, die hier geboren wurden, hier zur Gemeinschaft gehörten. Die Verbrechen der Nationalsozialisten werden greifbarer, wenn wir wissen, dass ihre Opfer einen direkten Bezug zu diesem Ort hatten.
Stolpersteine erinnern uns daran, dass hinter jedem Namen ein Mensch steht. Nicht nur ein Opfer, sondern jemand mit einem Leben, einer Familie, Gedanken und Träumen. Ein Stein so klein, dass man ihn leicht übersehen könnte – und doch trägt er eine unvorstellbar schwere Geschichte.
Diese Steine zeigen uns, welche Folgen politische Entscheidungen und Antisemitismus haben können. Sie erinnern an eine Mutter, die ihre Kinder schützen wollte, und an drei Mädchen, die nie erwachsen werden durften. Wir setzen diese Stolper-steine, damit Rosa, Florentine, Marie und Mauricette Sticki-Makow nicht vergessen werden – und damit ihr Leben und ihr Verlust einen Platz in unserer Erinnerung behalten.
Rede von Aline, Yara, Eileen, Flavio, Tim
Steinsetzung für Margareta Gümpel an der Hammerstr. 41, 8008 Zürich
Liebe Anwesende,
Heute sind wir nicht hier, um nur einen Stein zu setzen, sondern um jemandem wieder einen Namen und eine Geschichte zurückzugeben.
Margareta Gümpel, genannt Margrit, wurde 1925 geboren und mit nur 15 Jahren im Rahmen der nationalsozialistischen „Aktion T4“ ermordet. Doch sie war kein Eintrag in einer Akte. Sie war ein Kind. Ein Mädchen, das trotz schwieriger Umstände als friedlich, freundlich und förderbar beschrieben wurde.
Besonders berührt, dass sie selbst nicht verstand, was mit ihr geschah. Dass sie Vertrauen hatte. Dass sie sich sogar auf ihre Reise freute – ohne zu wissen, dass sie in den Tod führte.
Margrit wuchs in Armut auf, wurde früh von ihrer Familie getrennt und von Behörden als „weniger wert“ eingestuft. Obwohl Menschen in ihrem Umfeld ihr Potenzial sahen, wurden ihr Chancen genommen. Sie wurde abgeschoben, ausgegrenzt und schliesslich ermordet – nicht wegen einer Tat, sondern weil andere über den Wert ihres Lebens entschieden.
Ihr Schicksal zeigt uns, wie gefährlich es ist, wenn Menschen nicht als Individuen gesehen werden, sondern nach Kategorien beurteilt werden. Es zeigt, wohin Aus-grenzung, Gleichgültigkeit und unmenschliche Ideologien führen können.
Deshalb ist es so wichtig, an Margrit zu erinnern.
Weil Erinnerung Würde zurückgibt.
Weil hinter jeder Geschichte ein Mensch steht.
Und weil es unsere Verantwortung ist, heute hinzuschauen, wenn Menschen ausgegrenzt oder abgewertet werden.
Dieser Stolperstein ist klein – aber seine Bedeutung ist gross.
Er erinnert uns daran, was geschehen ist.
Und er erinnert uns daran, dass so etwas nie wieder geschehen darf.
Vielen Dank.
Rede von Claudio, Finn, Giorgio, Jonathan, Pablo
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